Der Pinsel blickt auf eine lange Entstehungsgeschichte zurück:
Bereits die Pharaonen im Alten Ägypten waren nicht nur Herrscher, Eroberer und Kriegsstrategen, sondern auch geniale Architekten, überragende Steinmetze und phantastische Künstler. Ab der frühdynastischen Epoche (Frühdynastische Zeitspanne: 3100 – 2686 vor Christus) lag der Fokus der damaligen Regenten auf einer überbordenden Ausschmückung ihrer Paläste und insbesondere ihrer letzten Ruhestätten. Die Wände und Decken wurden mit Pinseln aus Fasern der Papyruspflanze (Eine immergrüne Wasserpflanze (Art Binsengras), die eine Höhe von zwei bis fünf Metern erreichen kann) reich dekoriert.
Auf diese Hochkultur folgten in der Antike die Alten Griechen und die Alten Römer. Auch sie legten gesteigerten Wert auf prunkvolle Innenverzierungen ihrer privaten und repräsentativen Räume. Ihre Pinsel bestanden aus Schilfrohr ähnlichen Griffen mit gebündelten, aufgesteckten Tierhaaren oder Pflanzenfasern. Beliebt zu dieser Zeit waren Wildschweinsborsten, Vogelfedern, Hasen- und Ziegenhaare.
Nur die Alten Germanen (Herrschende Völkerstämme von ca. 500 v. Chr. bis 500 n. Chr.), aus unterschiedlichen Stämmen zusammengewürfelt, waren weder Fein- noch Schöngeister. Ihr Geschmack war rustikal und schnörkellos. Die äußeren Umstände hinderten die Germanen daran, die Pinseltechnik zu optimieren. Entbehrungsreiche klimatische Verhältnisse, Kriege und eine hohe Sterblichkeit hemmten den kulturtechnischen Fortschritt. Das germanische Volk war zweifelsohne keine ästhetisch, künstlerisch orientierte Bevölkerung, sie brachten aber dennoch bedeutende, bäuerliche Bilder für die Nachwelt hervor.
Ihre Pinsel waren simpel, aber dennoch effektiv. Holzstiele oder Knochenreste mit umwickelten Tierhaaren von Hühnern dienten als Malmaterial.

Entwicklung des Pinsels durch die Buchmalerei

Ab der Regentschaft der Karolinger (Dieses westgermanische Herrschergeschlecht regierte von 750 – 910, sein bedeutendster Regent war Karl der Große (747 – 814 n. Chr.)), erfuhr die Buchmalerei (Malerische Gestaltung von Büchern und Schriften aller Art. Einer der berühmtesten Exponate ist das Stundenbuch des Herzogs von Berry. Es entstand zwischen 1410 und 1416 von den niederländischen Miniaturmalern Brüder Limburg. ) immer mehr Aufmerksamkeit. Die phantastischen, natur- und detailgetreuen Darstellungen entstanden mit sehr feinen, dünnen Pinseln. Iltis, Eichhörnchen oder Kaninchen waren beliebte Haarlieferanten.
Im 18. Jahrhundert erfolgte dann die große Wende. Jetzt wurden Pinsel in verschiedenen Größen angefertigt. Die Menschen schufen Pinsel für verschiedenartige Zwecke. Den Pinselbesatz bezog die Bevölkerung aus dem Tierreich: Pferde, Dachse, Fischotter, Marder oder auch Eichhörnchen waren großartige Haarlieferanten. Die Stiele, respektive die Pinselgriffe waren meist Kiele von Hühnern, Geiern, Enten, Gänsen oder Truthähnen.
Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts trieb die Auswahl an Pinseln nochmals voran. Im Zuge der fortschreitenden Technik und den daraus resultierenden, erforderlichen Hilfsmitteln, entstanden zahlreiche Spezialpinsel.
Pinsel für Blattgold und Blattsilber, Lacke, Tusche, Tinte oder Öle wurden produziert.
Bedingt durch den rasanten, heutigen Fortschritt, der Fluch und Segen zugleich ist, ist das Handwerk des Besen-, Pinsel- und Bürstenbinders leider stark rückläufig. Aufgrund der industriellen Fertigungen zählt diese alte, traditionelle Handwerkskunst zu den aussterbenden Berufen.

Pinselkunde für alle kunstaffinen Menschen

Ein Pinsel besteht aus drei Teilen und ist folgendermaßen aufgebaut:
Haare oder Borsten bilden den oberen Part, das sogenannte ,Gebinde’. Darunter ist die Zwinge (meist aus Aluminium oder Leichtmetall) angebracht, in die die Haare (Borsten) eingezogen sind. Das Pinselende ist der Stiel, der bei hochwertigeren Exemplaren konisch (kegelförmig. Das Wort stammt aus dem Lateinischen ,conus‘ (Kegel)) ausläuft. Dank dieser Form liegt der Pinsel besser in der Hand und vermittelt eine behagliche Haptik.
Wenn die Borsten und Haare eines Pinsels gleichmäßig angeordnet sind, nimmt er die Farbe viel besser auf und verteilt diese einheitlich auf dem Maluntergrund.

Wann welchen Öl Pinsel einsetzen?

Rundpinsel

Durch leichtes Tüpfeln und Drehen des Pinsels entsteht ein gleichmäßiges und sauberes Farbbild.

Flachpinsel

Diese Pinsel gibt es mit unterschiedlich breiten Pinselköpfen. Sie eignen sich wunderbar für Grundierungen oder größere Flächen; beispielsweise Meer, Himmel, Wolkengebilde oder Felder.

Fächerpinsel

Mit diesem Pinsel können Künstler Spezialeffekte und augenfällige Strukturen herausarbeiten.

Spitzpinsel

Mit einem Spitzpinsel erzielt man ein tolles Finish. Dank der Pinselspitze lassen sich insbesondere Lichtreflexe in der Portrait- oder Aktmalerei erzielen.

Naturhaarpinsel

Das Angebot ist überragend:
Europäischer Marder, Rotmarder, Fehhaar, sibirischer Kolinsky, Eichhörnchen, Dachs oder Wiesel.
Mit diesen Pinseln erreicht man ein exaktes Malergebnis. Echthharpinsel erleichtern das Ausarbeiten von Details, Feinheiten und klitzekleinen Fragmenten.

Borstenpinsel

Gewonnen werden die Borsten von Haus- oder Wildschweinen. Die positive Haupteigenschaften dieser Pinsel liegen in ihrer Robustheit, in ihrer Widerstands- und Saugfähigkeit.

Synthetische Pinsel

Synthetikpinsel sind in der Anschaffung etwas günstiger als Pinsel aus Echthaar und besitzen eine lange Haltbarkeit. Sie sind robust, formstabil und nicht nur für Ölfarben geeignet.

Mischpinsel

Sie sind leicht zu reinigen, besitzen eine hohe Stabilität und sind bei allen Techniken einsetzbar. Der Vorteil liegt in der hervorragenden Farbabgabe und kinderleichten Anwendung.

Langer Stiel oder lieber kurzer Stiel?

Prinzipiell ist die Länge des Pinselstiels eine persönliche Geschmacksfrage. Dennoch gibt es praktische Unterschiede: Ein langer Stiel eignet sich hervorragend für das Arbeiten an einer Staffelei, hingegen ein kurzer Pinselstiel ideal für das Arbeiten auf einem horizontalen Untergrund ist.

Welche Pinselgrößen sind empfehlenswert?

Es gibt eine Faustregel, die besagt, dass eine Pinselgrundausstattung aus zirka neun Pinseln besteht. Mit zwei kleineren, drei mittelgroßen, drei großen und einem sehr großen Ölpinsel ist man gut bestückt und für jedes Motiv bestens gewappnet.
Einhaarpinsel oder Pinsel in der Größe 30 sind ,Exoten’ und gehören für Einsteiger oder passionierte Künstler nicht zum Standardsortiment.

Einen alten Pinsel sollte man dann austauschen, wenn seine Elastizität nachlässt und die Haare oder Borsten beginnen auszufransen. Mit der Zeit bekommt man ein gutes Gespür, wann die Zeit für einen neuen Ölpinsel gekommen ist. Vergleichbar ist eine alte Zahnbürste: Optik und Funktionalität lassen mächtig zu wünschen übrig.

Reinigung eines Pinsels: natürlich oder chemisch?

Einen Ölpinsel kann man auf unterschiedliche Weise reinigen:
Warmes Wasser & Seife, Terpentin, Leinöl, Spiritus, Waschbenzin oder verdünnter Nagellackentferner. Zuvor streicht man jedoch die restliche Farbe auf einem Papier vorsichtig aus. Die Haare und Borsten gut ausspülen und das Gebinde von allen Substanzen befreien. Zum Abschluss glatt streichen und gegebenenfalls den Pinselkopf mit einem feuchten Stück Küchenpapier einwickeln. So behält der Pinsel seine ursprüngliche Form und man verhindert ein unliebsames Abstehen der Haare. Wichtig ist, dass die Pinsel nie mit Wärmeeinfluss trocknen. Heizkörper und pralle Sonnen machen Pinsel spröde und inflexibel.

Ein hilfreicher Tipp zum Schluss

Gut gepflegte Pinsel haben eine wesentlich höhere Lebensdauer. Die Zeit, die man in die Reinigung seiner Malutensilien investiert, zahlt sich im wahrsten Sinne des Wortes pekuniär wieder aus.
Neue, auch sehr teure Pinsel verlieren anfänglich Haare. Ratsam ist, dass man sie vor ihrem ersten Gebrauch gründlich ausspült und die losen Haare entfernt.

Erfahren Sie mehr über Öl Malerei, Ölfarben, Öl Malmittel und Malgründe für Ölmalerei