Ein kleiner Überblick zum Thema Malmittel

Das Medium ,Malmittel’ wurde von zahlreichen Künstlern in der italienischen Frührenaissance (Die italienische Frührenaissance dauerte von 1420 bis 1500. Man nennt diese Zeitspanne auch das Quattrocento. Florenz war zu dieser Zeit die Hochburg für Maler, Architekten, Literaten und Musiker. In Deutschland begann die Frührenaissance erst 100 Jahre später. Sie wurde dann 1555 von der Hochrenaissance abgelöst) entwickelt. Der Florentiner Paolo Uccello (1397 – 1475 – Er gilt bis Dato als der Begründer der Perspektivmalerei. Weltberühmte Werke sind beispielsweise ,Heiliger Georg im Kampf mit dem Drachen’ (um 1456, London – National Gallery) und ,Madonna’ (ca. 1445, Dublin – National Gallery of Ireland)), der Venezianer Giovanni Bellini (1437 – 1516 – Altar- und Andachtsbilder, wie die ,Pietà’, ,die Beweinung Christi’ oder ,Madonna mit Jesuskind’ gehörten zu seinen bevorzugten Motiven), der Florentiner Sandro Botticelli (1445 – 1510 – Sein berühmtestes Werk ist zweifellos die ,Geburt der Venus’ aus dem Jahre 1486. Es war eine Auftragsarbeit für die Medicis. Heute hängt das farbgewaltige Bild im großen Saal in den Uffizien in Florenz) oder auch Pietro Perugino (1445 – 1523 – Das grandiose Wandfresco ,Christus übergibt Petrus den Schlüssel’ um 1481, ist Peruginos Hauptwerk und Teil eines großen Wandzyklus in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan) aus Perugia wussten um die außerordentlichen Charaktereigenschaften der verschiedenen Malmittel. Sie verwendeten vorzugsweise Eitempera (Eitempera: Die Zusammensetzung erfolgt zu gleichen Teilen aus Wasser, Ei und Leinöl – 1:1:1), das jeder Künstler selber herstellte. Die einzelnen Rezepturen waren selbstverständlich Künstlergeheimnisse. Eitempera ist das älteste bekannte Malmittel in der Kunstgeschichte. Der große Nachteil dieses Gemisches aus Leinöl war, dass die Ölbilder im Laufe der Jahrhunderte einen starken Gelbstich bekamen und die Darstellungen getrübt wurden. Die Säuberung alter Meisterwerke ist sehr aufwendig und erfordert viel Erfahrung von den Restauratoren.
Ab 1420 entwickelte sich das Malmittel zum festen Künstlerbestandteil in der europäischen Malerei. Die Industrialisierung zu Beginn des 19. Jahrhundert, machte die individuelle Herstellung von Malmitteln überflüssig. Maschinell produzierte Malutensilien wurden in Umlauf gebracht und waren in Tuben, Flaschen, Dosen und Gläsern für jedermann erhältlich.
Genies, wie zum Beispiel Claude Monet (1840 – 1926), Vincent van Gogh (1853 – 1890) oder auch Pablo Picasso (1881 – 1973), stellten anfangs ihrer Karrieren ihre Malmittel noch selbst her (Viele Impressionisten und Expressionisten waren zu Beginn ihrer Künstlerlaufbahn sehr, sehr arm. Pablo Picasso musste sich öfters entscheiden, ob er Farbe oder Essen kaufen soll. Er entschied sich immer für Farben!).
In den 80er Jahren machte sich eine Protestwelle in der Malerei breit, die sich vehement gegen die Konzeptkunst stellte. Die Künstler (Beispiele für die Künstlerbewegung ,,Junge Wilde’’: Martin Kippenberger (1953 – 1997), Gerhard Naschberger (1955 – 2014), Hans-Peter Adamski (geb. 1947), usw.) wollten wieder zurück zur klassischen Malerei, die allerdings mit aktuellen, ironischen und provokanten Inhalten gespickt sein sollte. Viele Maler dieser Kunstströmung erweckten das traditionelle Anrühren des eigenen Malmittels wieder zum Leben.

Was bewirkt ein Öl Malmittel?

Es nimmt Einfluss auf die Beschaffenheit der Farbe. Struktur, Charakter und Optik verändern sich grundlegend. Ölbilder können mit Malmitteln transluzid, transparent, gedeckt, matt, brillierend, dezent, knallig, grell, leuchtend oder glänzend dargestellt werden. Unterschiedliche Substanzen, wie beispielsweise Öle aus Leinsamen, Mohnblüten oder Walnüssen, Gummi Arabicum (ein gewonnener Pflanzensaft aus der Verek-Akazie), Harze, mineralische Pigmente (Mineralpigmente sind anorganische Substanzen. Diese Stoffe beinhalten in der Regel keinen Kohlenstoff, Beispiele: Salze, Metalle wie Gold, Silber, Platin, Blei, Zinn, Kupfer, Quecksilber, Eisen und Mineralien) und Bienenwachs sind Basiselemente unserer heutigen Malmittel.
Das gewählte Malmittel sollte immer mit der entsprechenden Technik übereinstimmen.
Malmittel steuern den Trocknungsprozess der Farbe. Trocknungsbeschleunigende Mittel sind zum Beispiel ideal für Lasuren, trocknungsverzögernde Zusammensetzungen sind prädestiniert für die Techniken nass-in-nass oder die Alla-prima-Malerei.

Funktion & Gebrauch im Bild

Malmittel sind wahre ,Alleskönner’. Dank ihrer Langlebigkeit und Flexibilität schützen sie Leinwände und sonstige Maluntergründe, konservieren Farben (Die Konservierung von Farben erfolgt mit Hilfe eines Firnis. Er schütz vor Schmutz, Staub und vor Umwelteinflüssen) und sorgen für eine längere Lebensdauer von Pinseln, Paletten, Malstielen und Holzgriffen.

Unterschiedliche Sorten von Öl Malmitteln und ihre spezifischen Eigenschaften

Malmedium

  • Geruchsneutral
  • Wasserlöslich
  • Dienlich für Öl- und Acrylfarben
  • Pastoser Farbauftrag möglich
  • Verleiht Farben eine samtige Viskosität
  • Feines, langes Ausziehen der Farbe wird ermöglicht
  • Farben fließen nicht ineinander
  • Bei sachgerechter Lagerung wird eine lange Haltbarkeit garantiert.

Leinöl

  • Gewonnen aus Leinsamen
  • Blassgelbes, leichtes Öl
  • Perfekt für Untermalungen
  • Beliebtes Allzweckmittel
  • Erzeugt dezenten Glanz
  • Einfache Anwendung
  • Erschwingliches Produkt.

Standöl

  • Klares Pflanzenöl
  • Dick- und zähflüssiger als das normale Leinöl
  • Erzeugt glatte Oberflächen ohne sichtbaren Pinselduktus
  • Elastisch und extrem witterungsbeständig
  • Lagerung sollte unter Luftabschluss erfolgen, sonst wird das Öl schnell ranzig.

Mohnöl

  • Helles, klares, leichtes Öl
  • Verleiht Farben eine butterweiche Konsistenz
  • Normale Trocknungszeit (zirka drei Tage)
  • Günstig für das Arbeiten nass-in-nass
  • Nicht geeignet für Grundierungen.

Walnussöl

  • Blasse, dünne Substanz
  • Vorzüglich für das Vermengen mit helleren Farben (Weiß, Gelb, Sandtöne)
  • Intensiver Geruch
  • Schnelltrocknend (weniger als drei Tage)
  • Geringe Vergilbung
  • Hochpreisiges Produkt.

Venezianisches Terpentin

Diese Substanz bringt Lasurschichten zum Glänzen. Das ölhaltige Harz besitzt ein höheres Eigengewicht und verursacht, bei übermäßiger Anwendung, kleine netzartige Risse. Der Fachbegriff für diese Optik heißt ,Krakelee’ (Ein anschauliches Beispiel für eine Krakeele Oberfläche ist die ,Mona Lisa’. Sie entstand zwischen 1502 und 1503, wurde von dem italienischen Universalgenie Leonard da Vinci (1452 – 1509) gemalt und ist seit 1797 im Pariser Louvre zu bewundern).

Wachsmedium

  • Mattiert
  • Leicht dickliche Konsistenz
  • Erzeugt milchige, verschleierte Optik
  • Bestens geeignet für Bildfirnis
  • Dichtet einzelne Farbschichten ab
  • Versiegelt Oberflächen
  • Schützt vor Umwelteinflüssen
  • Keine Vergilbung
  • Anwendung erfordert viel Know-how.

Ein wichtiger Ratschlag zum Schluss

Ein Firnis sollte immer horizontal aufgetragen werden. Bei senkrecht aufgestellten Bildern besteht die Gefahr, dass die Flüssigkeit unkontrolliert nach unten läuft und in ungewollten Nasen oder Tränen abtrocknet.
Öl Malmittel bewahrt man am besten – ähnlich wie Parfüm -, dunkel, trocken und kühl auf.
Die meisten Malmittel sind zwar nicht lebensbedrohlich giftig, sie gehören jedoch sicher verwahrt. Ein großer Sicherheitsabstand zu Kinderhänden und Haustieren ist empfehlenswert.

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