Die Geschichte der Leinwand:

Es gibt viele Experten (Kunsthistoriker, Historiker, Textilchemiker, Restauratoren, Kuratoren, Großgaleristen, Sammler), die über die Anfänge der Verwendung von Leinwänden und deren exakte Datierung lange Abhandlungen geschrieben haben.
Aufwändige Recherchen über dieses Spezialgebiet ergaben, dass wohl zwei mittelalterliche Prozessionsfahnen (Der Theologe Martin Luther (1483 – 1546) verteufelte und verbannte im Zuge seiner radikalen Reformation alle prunkvollen Requisiten für Prozessionen. Seine damalige ,Säuberung des klerikalen Pomps’ ist heute ein Glücksfall für die Menschheit. Die beiden Fahnen sind bestens erhalten, weil sie nach Luthers visueller ,Eleminierung’ keine Verwendung mehr fanden und weit über 600 Jahre unter Verschluss lagerten.) die ältesten Leinwände, ergo die ältesten Leinwand Malereien aller Zeiten sind. Das Kloster Lüne (Einst ein Benediktinerkloster in Lüneburg. Es wurde im Jahre 1172 gegründet und ist heute ein evangelisches Damenstift) in Niedersachsen ist seit langer Zeit stolzer Besitzer der beiden Fahnen. Sie werden auf zirka 1390 oder 1400 datiert.
Um 1400 wandelte sich die Welt enorm. Es war die Zeit der Erfindungen, Eroberungen, Entdeckungen und künstlerischen Meisterwerke.
Die Künstler der nachfolgenden Epochen, insbesondere die der Renaissance, waren von der Leinwand als Malmedium begeistert. Speziell religiöse (Beispiele für religiöse Motive: ,Jesus Christus mit den Heiligen Drei Königen’, ,Passion Christi’, ,Abendmahl’, ,Der heilige Sebastian’ oder ,Die Ausschüttung des Heiligen Geists’) und historische (Beispiele für historische Darstellungen: ,Der wunderbare Fischzug’ des deutschen Künstlers Konrad Witz (1400 – 1446), ,La Tempesta’ des Italieners Giorgione (1478 – 1510) oder ,Der Raub der Sabinerinnen’ des Franzosen Nicolas Poussin (1594 – 1665)) Motive entfalteten auf größeren, beweglichen Formaten eine gesteigerte Wirkung. Leinwände etablierten sich zunehmend in der Malerei und sind seit vielen Jahrhunderten unverzichtbare Maluntergründe.
Die damalige Qualität lässt sich selbstverständlich nicht mit den heutigen Spitzenprodukten vergleichen.

Aus welchem Material bestand, bzw. besteht eine Künstlerleinwand?

Künstler, die vergangenen Epochen angehören, nutzten vorwiegend Leinwände aus Hanf (Die Fasern von Hanfpflanzen sind sehr robust, gräulich oder bräunlich in der Farbe, weisen eine grobe Struktur auf und sind lange haltbar. Vor der Entwicklung der Künstlerleinwand fertigte man aus Hanffasern Seile, Schiffstaue und Segel an). Die Meister fertigten ihre Bildträger selbst an oder überließen diese Tätigkeit ihren Schülern und Gesellen. Heutige Leinwände bestehen aus echter Baumwolle, aus Leinenstoffen oder hochwertigen Mischgeweben (Naturfasern werden mit synthetischen Kunststoffen verwoben).

Bereits zur damaligen Zeit schätzten die Künstler die positiven Eigenschaften des Leinwandstoffes als Maluntergrund.

Vorteile der Leinwand

  • Geringes Eigengewicht
  • Material ist flexibel und elastisch
  • Einfacher Transport, Leinwand lässt sich ungerahmt schnell zusammenrollen
  • Erschwinglich
  • Jederzeit übermalbar
  • Gewebestruktur erzeugt gewollte Effekte
  • Bei sachgerechter Behandlung überlebt eine Leinwand viele Jahrhunderte.

Jede Medaille hat immer ein Avers (Die Vorderseite mit Bild) und ein Revers (Die Rückseite mit der Wertangabe. Beide Begriffe stammen aus der Numismatik (Münzkunde)). Bei der Aufzählung der Vorteile eines Materials, müssen – aus Gründen der Fairness -, auch stets die Nachteile genannt werden.

Nachteile der Leinwand

  • Der Feind jeder Leinwand ist eine unsachgemäße Behandlung
  • Wird brüchig durch Staub, Hitze und Kälte
  • Modert bei hoher Luftfeuchtigkeit
  • Schimmelt unter Luftabschluss
  • Extreme Sonnenbestrahlung trocknet die Leinwand stark aus verursacht kleine Risse
  • Gewebestruktur erzeugt ungewollte Effekte.

Leinwände sind in der Regel auf Keilrahmen aufgezogen. Eine professionelle Bespannung von Künstlerleinwänden setzt ein großes handwerkliches Geschick voraus. Wichtig für ein gutes Endergebnis ist die Beachtung der Kreuzbespannung. Es wird immer diagonal gearbeitet, das heißt, dass zuerst von einer Ecke zur anderen Ecke die Leinwand am Rahmen fixiert wird. Erst wenn ein gleichmäßiges Andreaskreuz (Dieses Kreuz sieht aus wie ein X) vorliegt, werden die losen Leinwandseiten an den Holzleisten verdeckt angebracht.

Maluntergründe, respektive Künstlerleinwände sollten generell vor dem ersten Farbauftrag grundiert werden. Warum?
Eine gute Grundierung konserviert die Leinwand. ,Nackte’ Leinwände brechen viel schneller als präparierte Untergründe. Malertinkturen machen Gewebeporen und Fasern geschmeidiger und anpassungsfähiger und die Haltbarkeit der Ölfarben wird verstärkt. Ein weiterer Vorteil ist, dass eine solide Grundierung den Ölfarben nicht ihr Bindemittel entzieht und die Leinwand folglich die gesamt Farbe aufsaugt. Bestens sortierte Fachgeschäfte bieten bereits fertig grundierte Leinwände zum Kauf an.
Die Farbgebung der Grundierung entscheidet jeder Künstler selbst. Helle Grundierungen erhöhen die Strahlkraft der Farben. Dunkle Grundierungen hingegen, bewirken eine warme beschattete Atmosphäre.

Welche Grundierungen gibt es?

Die traditionelle Grundierung

  • Ca. 70 Gramm Leim quellen 24 Stunden lang in einem Liter Wasser
  • Der Auftrag erfolgt lasierend
  • Ratsam sind zwei bis drei dünne Schichten.

Grundierung mit speziellen Grundierfarben

Diese Spezialfarben werden in unterschiedlichen Tubengrößen und Farbnuancen angeboten. Beliebte Farben bei Künstlern sind:

  • Grundierweiß
  • Gesso (Italienisch für Kreide. Eine weißliche Mischung aus Gips, Kreide und diversen Pigmenten), wird auch Acrylkreidegrund genannt und sorgt für einen leuchtenden Untergrund
  • Halbkreidegrund, er erzeugt einen dezenten Glanz.

Erschwingliche wirksame Alternativen

  • Fassadenfarbe für den Außenbereich. Vorteile sind Witterungsbeständigkeit und Unempfindlichkeit der Luftfeuchtigkeit gegenüber
    Acrylbinder, er erzeugt eine hohe Elastizität
  • Dispersionsfarben.

Was muss der Künstler bei der Grundierung beachten

Eine Grundierung sollte langsam und mit Sorgfalt aufgetragen werden. Mehrere dünne Schichten verschönern die Leinwand und erleichtern den späteren Farbauftrag.
Alle Leinwandporen sollten nach der Grundierung geschlossen sein. Hält man die Leinwand gegen das Licht und sieht vereinzelt offene Poren, empfiehlt sich eine Überarbeitung der Leinwand.
Eine nahezu makellose Grundierung erzielt man mit einem Spachtel, einem Schwamm oder mit einem großen Grundierpinsel. In kreisförmigen Bewegungen wird die Substanz von innen nach außen aufgetragen. Bitte niemals vice versa. Die Grundierung sollte auch über die Rahmenränder aufgetragen werden und nicht am Bildrand stoppen. Es gibt viele Kunstliebhaber, die gerne auf Rahmen verzichten. Die Rückseite der Leinwand bleibt offen und wird niemals grundiert, weil andernfalls die natürliche Luftzirkulation stagniert.

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