Die Ölmalerei ist fast so alt wie die Menschheit. Unzählige Felsenbilder in prähistorischen Höhlen – rund um den Globus -, zeigen Menschen, Jagdszenen und Abbildungen von Fauna und Flora. Blut, Tierfett, ölhaltige Pflanzen, Ruß, Kohle oder Beeren lieferten die Basis für die damaligen Ölfarben. Aufgetragen wurden die farbigen Substanzen mit Fingern, Blattwerk, Stöcken oder Fellresten. Die berühmtesten Malereien lassen sich in den französischen Höhlen von ,Lascaux’ und ,Chauvet‘ und in der spanischen Höhle ,Altamira’ bestaunen. Die genannten Höhlen gehören zu den Weltkulturgütern der Unesco. Sie sind seit langer Zeit für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich, weil die Menschenströme begannen, die einzigartigen Bilderschätze zu zerstören.

Kunsthistorische Einführung in die Welt der Ölmalerei

Die ersten Darstellungen, die nachweislich mit echten, angerührten Ölfarben (Walnussöl in Kombination mit verschiedenen Farbpigmenten) gemalt wurden, entstanden vermutlich im 5. Jahrhundert nach Christus. Einige Archäologen und Altorientalisten entdeckten erst in den letzten Jahren – in einer Höhle im Bamiyan Tal in Zentralafghanistan -, gegenständliche Abbildungen von Siddhartha Gautama Shakyamuni (um 563 – 483 v. Chr.). Die Buddha-Bilder entstanden rund 1000 Jahre vor der Verbreitung der Ölmaltechnik in Europa. Im 13. Jahrhundert (Epoche der Gotik) hielt die Königsdisziplin, die Ölmalerei, ihren legendären Einzug in vielen europäischen Gebieten. Der Flame Jan van Eyck (1390 – 1441) war diesbezüglich ein Vorreiter und bescherte der Kunstgeschichte, mit seiner altmeisterlichen, detailgetreuen und akribischen Maltechnik, Meisterwerke für die Nachwelt. Ausschließlich Ölfarben konnten solch überragende Werke entstehen lassen.
Auch die Kunst der Renaissance (15. und 16. Jahrhundert), die von Italien ausging, wurde von der Ölmalerei dominiert. Künstler dieser prägenden Kulturepoche, wie beispielsweise die Italiener Leonardo da Vinci (1452 – 1519) und Michelangelo di Lodovico Buonarroti Simoni (1475 – 1574), der Deutsche Albrecht Dürer (1471 – 1528), der Franzose François Clouet (1510 – 1572), der Engländer Nicholas Hilliard (1547 – 1619) und der Niederländer Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606 – 1669) perfektionierten die Ölmaltechnik. In ihren Meisterschulen gaben sie diese Fähigkeit an ihre Schüler weiter.

Den Großteil der Ölfarben mussten die Künstler zur damaligen Zeit aus natürlichen Zutaten selber herstellen. Eidotter, Kadmium, Kupfer, Essigsäure, diverse Öle – gewonnen aus Oliven, Nüssen, Sesam oder sonstigen Fetten -, und Farbpigmente aus beispielsweise Curry, Kardamom oder Henna waren wesentliche Bestandteile der früheren Farbenherstellung.
Ölbilder überleben generell mehrere Jahrhunderte. Wichtige Kriterien für die Langlebigkeit der Werke sind die Maluntergründe (Leinwand, Ölpapier, Pappe oder Karton), sowie der sorgsame Umgang mit den Arbeiten. Beispielsweise grelles Licht, Trockenheit oder extreme Kälte beschleunigen den Alterungsprozess. Die Konservierung der Ölfarben erfolgte damals – wie heute -, mit einem Firnis. Es handelt sich um eine transparente, minimal glänzende Schutzschicht, die am Schluss das gesamte Ölbild überzieht und die Farben somit haltbar macht.

Das kleine 1×1 der Ölmalerei

Jeder Künstler benötigt eine Grundausstattung und eine konkrete Vorstellung bezüglich Motiv, Farbwahl und Format. Die Ölmalerei ist nicht geeignet für ungeduldige Menschen, denn Ölfarben trocknen langsam. Ein Beschleunigungsprozess mit heißer Föhnluft oder aktiver Sonnenbestrahlung zerstört die Pigmente und macht die Farben stumpf.
Das Malen mit Öl benötigt Zeit und Muße. Ölfarben sind sehr ergiebig, langlebig und verzeihen jeden Fehler, weil sie unzählige Male übermalt werden können.
Das künstlerische Starter-Set sollte aus den Primärfarben (Rot / Blau /Gelb) und aus den Sekundärfarben (Grün / Orange / Violett (In der Kunst existiert ausschließlich das Wort ,Violett’. Lila ist in der Kunst nicht existent, sie ist eine künstlich kreierte Modefarbe.)) bestehen.

Weiß, Schwarz, Beige oder lichter Ocker dürfen ebenfalls nicht fehlen. Mit hellen Sandtönen oder den ergänzenden Komplementärfarben kann man die reinen Tubenfarben brechen, das heißt, dass die Farbsättigung vermindert wird. Sie wirken weniger grell und erscheinen, beispielsweise bei Landschaften, weicher und naturalistischer.
Wozu eignet sich ein Malmittel?
Ein Malmittel verändert in erster Linie den Zustand und die Eigenschaft der Ölfarbe. Das Malmittel wird mit jedem Farbton vermengt, es verdünnt, macht runder und elastischer. Die Anwendung eines Malmittels ist abhängig vom persönlichen Geschmack und kann zugleich bei vielen Maltechniken benutzt werden.
Die Öl-Pinsel (z.B. Rotmarderpinsel) sollten immer qualitativ hochwertig sein. Ein Pinsel, der permanent Haare verliert und diese aus der Ölfarbe ,gefischt’ werden müssen, liefern keinen Spaß. Katzenzungen-, Flach- und Rundpinsel in den Größen 6, 8, 10, 12 und 16 sind für Einsteiger bestens geeignet. Fächerpinsel oder unterschiedliche Palettmesser sind eher für Fortgeschrittene geeignet. Farbmischpaletten aus Holz oder Leichtmetall sind ebenso zweckdienlich, wie Mischblöcke mit ölhaltigem Papier zum Abreißen.
Die Maluntergründe sind reine Geschmacksache. Es gibt Leinwände in jeder Größe, von winzig bis riesig. Bereits auf Keilrahmen aufgespannte Leinwände sind stabil und einfach zu handhaben. Ölmalblöcke sind kostengünstiger, jedoch nicht in allen Formatgrößen erhältlich.

Unterschiedlichen Techniken der Ölmalerei

Lasur-Technik

Zahlreiche hauchdünne, durchsichtige Farbschichten werden mit einem Pinsel auf einen Malgrund sukzessive aufgetragen. Voraussetzung zum Gelingen: Jede Schicht muss komplett durchtrocknen. Das Ziel bei dieser zeitintensiven Technik ist am Ende die effektvolle Hervorhebung konkreter Töne. Die Farben müssen dünnflüssig sein, deshalb werden sie mit viel Leinöl oder Terpentin vermischt. Das Bild gewinnt an Transparenz und Leuchtkraft. Ein heller Malgrund unterstreicht die Lumineszenz der Farbnuancen. Die Lasurtechnik, die keinen Pinselduktus (Strichführung des Pinsels) hinterlässt, wird bei der altmeisterlichen Maltechnik angewendet. Sie erfordert Erfahrung, Können und Geduld.

Prima-Technik

Ein Ölbild entsteht in einer Sitzung. Die deckenden, pastosen (dicker, zäher Farbauftrag) Farben werden nebeneinander gesetzt. In der Regel gibt es eine Schicht und die Farben werden meist direkt auf der Leinwand gemischt. Diese Art der Technik ist bei spontanen Künstlern sehr beliebt. Sie sehen das fertige Bild bereits vor ihrem geistigen Auge und setzen die Darstellung ad hoc um.

Technik der Schichtenmalerei

Das Bild wird erst in mehreren Sitzungen vollendet. Zu Beginn skizziert der Künstler das Motiv mit einem weichen Graphikstift auf die Leinwand. Er schraffiert die Schlagschatten und bestimmt die Position der Lichtquelle. Nach diesen Schritten beginnt der Maler dünne, aber deckende Farbschichten aufzutragen. Das Gesamtbild verdeutlicht sich peu à peu mit zunehmender Farbgebung. Dieser Malprozess ist zwar langsam, kann aber jederzeit korrigiert und abgewandelt werden. Neueinsteiger präferieren diese Maltechnik, weil sich Form- und Farbfehler jederzeit beheben lassen und im Gegensatz zu verfehlten Papierarbeiten kein Material vergeudet wird.

Ölfarben sind ein wunderbares Produkt. Sie lassen dem Künstler viel Spielraum und engen ihn zeitlich niemals ein. Dank der viskosen Konsistenz besitzen Ölfarben eine angenehme Streichfähigkeit, mit der wirkungsvolle Akzente, Nuancen und Effekte erlangt werden. Übung, die richtigen Malutensilien und Leidenschaft für die bildende Kunst ist die ideale Kombination für anhaltende Freude an der Ölmalerei.

Technik Fett auf Mager

Diese positiven Eigenschaften der Ölfarben treten dann hervor, wenn sich der Maler an die elementare fett auf mager“ Regel hält. Diese bedeutet nichts anderes, als dass die unteren Farbschichten eher mager gehalten werden sollten – also mit wenig Bindemittelanteil – während die oberen Farbschichten zunehmend fetter werden können. Diese Technik ist notwendig wegen der speziellen Trocknungseigenschaften der Ölfarben. Untere Schichten, die zu fett wären, würden sich stärker ausdehnen. Es besteht das Risiko, dass das Bild Risse bekommt. Die untere Schicht würde quasi die obere Schicht nach außen drücken. Die Spannung, die dadurch entsteht könnte auf diese Weise die sichtbare Farbschicht beeinträchtigen. Zudem trocknet eine Farbschicht langsamer, je größer ihr Fett- und damit Bindemittelanteil ist. Um diesen unerwünschten Effekt zu vermeiden, müssen die Farben unbedingt in ihrem Fettanteil variiert werden.

Die Regel „fett auf mager“ hat daneben noch einen weiteren, offensichtlichen Vorteil. Würde man jedes Mal warten, bis eine Farbschicht getrocknet ist, müsste man die Arbeit an dem jeweiligen Gemälde regelmäßig unterbrechen. Malt man hingegen mit unterschiedlich fettigen Farben, ist ein kontinuierliches Arbeiten möglich. Wer möchte schließlich schon eine kreative Phase für mehrere Tage unterbrechen, nur weil die Ölfarbe wieder einmal trocknen muss!

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